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Über Lang oder Kurz… wie läuft das jetzt mit dem Gedächtnis?

Langzeitgedächtnis - Kurzzeitgedächtnis

Stadt Land Fluss – der Buchstabe lautet Q. Tier hast Du schon, beim Land lassen die anderen eventuell Qatar gelten, bei Fluss versuchst Du es mal mit Quallenfluss – hauptsache es steht was da – aber die Stadt, da gab es doch diese eine, aber wie hieß die noch ma’? Da sagt schon der erste »stop« – also 😱 SCHON WIEDER VERLOREN!

Warum ist das eigentlich so? Warum fallen uns manchmal Begriffe nicht ein? Und warum gibt es bitte sowas wie ein Kurz- und ein Langzeitgedächtnis – kann das Hirn nicht einfach mal was abspeichern und es da lassen, solang ich will?

Tatsächlich ist die Existenz eines Kurzzeitgedächtnis in der Forschung umstritten! Belegt ist allerdings, dass man bestimmte Dinge besser im Gedächtnis behält als andere. Vielleicht hast Du auch einmal in der Schulzeit eine Notfall-Crash-Vokalbelsession in der Nacht vor dem Englisch Vokabeltest eingelegt. Am nächsten Tag war zwar die Hälfte wieder weg, aber 4 gewinnt ja bekanntlich. Aber erinnerst Du Dich heute noch an diese Vokabeln?

Ich erinnere mich noch extrem gut an eine Vokabel aus dem Lateinunterricht, obwohl Latein jetzt nicht wirklich mein Fach war. Aber diese Vokabel kann ich: interficere heißt übersetzt töten. Für meine Klasse und mich war es mitten in der Pubertät unheimlich spannend, weil man ja inter und ere einfach streichen konnte und dann ein lustiges Wort entstand  🙂 .

Da hat es also geklappt mit dem Abspeichern.

Schon Aristoteles hat in der Antike zwischen zwei Gedächtnisformen unterschieden: in seiner Schrift De memoriam et reminiscentia spricht er vom Abrufen des vor längerer Zeit

Erfahrenen, also in etwa einem Erinnern auf der einen, und von einem Wiedererkennen von unlängst erfahrenen Dingen auf der anderen Seite. Von kurz oder lang lässt sich da noch nicht so viel finden. Um das ganze besser einordnen zu können, sollten wir festlegen, was wir mit kurz und lang eigentlich meinen, denn eigentlich sprechen wir hierbei über die Geschwindigkeit oder den Zeitpunkt des Vergessens.

Ist das wichtig oder kann das weg? Das Ultrakurzzeitgedächtnis.

Das sogenannte sensorische Register ist Dein Prozessor. Es verarbeitet alles, hält die Informationen im Bereich der Millisekunden und filtert bereits wenn möglich alles unwichtige raus. Du vergisst hier also schneller, als Du wahrnimmst. Die Reize, die Dein Ultrakurzzeitgedächtnis durchlässt, werden dann im Kurzzeitgedächtnis abgelegt.

Ach quatsch. Ich brauch doch keinen Einkaufszettel! Das Kurzzeitgedächtnis.

Einkaufszettel sind was für Omas und Opas. Die Zutaten für den Kuchen zum Geburtstag Deiner Mutter wirst Du ja wohl noch behalten können.

Im Backbuch steht: Butter, Salz, Zucker, Puderzucker, Mehl, Eier, Rosinen 🤢, Backin, Zitronat 🤢🤢, Safran.

Was Du kaufst: ne Pepsi, Bananen, Rosinen, Zitronat, Mehl, Eier Salz, Puderzucker, Zucker, Klopapier brauchst Du eigentlich auch noch, ah – beinahe die Butter vergessen.

Zuhause, wenn Du schon den Backofen vorgeheizt hast, Zucker mit Butter und Eiern in der Schüssel cremig schlägst, fällt Dir das Backin ein.

Das Kurzzeitgedächtnis oder Arbeitsgedächtnis war in der Schule ein guter Freund, wenn Du den Spickzettel schnell überflogen hast. Aber im Alltag ist es doch ziemlich störanfällig.

Übrigens speichert das Kurzzeitgedächtnis insgesamt kürzer als viele denken: die Norm liegt bei 20-40 Sekunden, im günstigen Fall bei 60 Minuten. Viel wichtiger aber ist, dass das Kurzzeitgedächtnis äußerst wenig Kapazität mitbringt. Bekommt es also zu viel Input, dann kollabiert es auch mal: hallo Blackout!

Probieren wir es mal:

Jonas ist netter als Chris 😌: Wer ist weniger nett?

Kannst Du relativ leicht beantworten oder?

Nicola ist kleiner als Helge. Chris ist größer als Stefan. Nicola ist größer als Chris. Wer ist am größten?

Das ist schon schwieriger oder? Glaub’ mir, hättest Du diese Aufgabe nicht schriftlich vor Dir, würde sich Dein Kurzzeitgedächtnis vermutlich schon verabschieden.

Jetzt bekommst Du direkt eine Ahnung, wie man wohl am besten sein Gedächtnis trainiert oder Lernstoffe lernt, oder? In jedem Fall so, dass Dein Kurzzeitgedächtnis zuverlässig seine Vermittlerrolle einnehmen und alles korrekt ans Langzeitgedächtnis weitergeben kann. So sind ja auch die Jicki Sprachduschen aufgebaut: der Sprechrhythmus orientiert sich an der Kapazität Deines Kurzzeitgedächtnis, sodass es sich von seiner besten Seite zeigen kann.

Damals war alles besser! Das Langzeitgedächtnis.

Witzig ist ja, dass es eigentlich nicht nur ein Langzeitgedächtnis gibt, sondern viele verschiedene Speicherorte. Aber zum besseren Verständnis lässt sich das Langzeitgedächtnis einfach in 2 Bereiche teilen: in den sekundären und tertiären Bereich nämlich. In Letzterem wird alles aufbewahrt, was Du Dir ein Leben lang merken kannst. Im sekundären Gedächtnis bleibt es zumindest für einige Jahre im Kopf.

Jetzt drängt sich natürlich noch einmal die Frage auf, warum das Ultrakurzzeitgedächtnis und das Kurzzeitgedächtnis nicht einfach alles ins Langzeitgedächtnis geben. Kann ja nicht schaden, sich einfach an alles erinnern zu können.

In der Neurowissenschaft munkelt man, dass genau das möglich sei. Das Gehirn verfüge eigentlich über genug Speicher, um sich alles zu merken.

Damit ist das Vergessen kein Problem des begrenzten Speichers sondern ein Schutzmechanismus, vor zu viel Wissen. Darunter fallen natürlich traumatische Erfahrungen aller Art. Diese Erfahrungen schlagen so hohe Wellen, dass das komplette Bewusstsein durchflutet wird. In diesem Fällen schalten sich Kurzzeitgedächtnis und Langzeitgedächtnis kurz und entscheiden einstimmig: »das muten wir dem Bewusstsein lieber nicht zu« – und versuchen es so gut es geht zu überschreiben.

Überhaupt werden unangenehme Dinge gerne schneller vergessen, deshalb war früher auch immer alles besser oder um es mit den Worten von Baz Luhrmann zu sagen:

Accept certain inalienable truths: prices will rise, politicians will philander

you too will get old, and when you do you’ll fantasize that when you were young

prices were reasonable politicians were noble and children respected their elders

Nicht verstanden?

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Nicht so prägende Erlebnisse oder auch einfach uninteressante Sachverhalte werden manchmal gar nicht erst ans Langzeitgedächtnis weitergegeben. Das sind vor allem Ding, die für Dich selbst weniger Relevanz bzw. kein großes emotionales Gewicht besitzen.

Umgekehrt wird daraus deutlich, dass alles, was ein hohen emotionales Gewicht hat, eher Chancen hat, im Langzeitgedächtnis gespeichert zu werden. Daher ist eine angenehme und entspannte Lernumgebung so wichtig und der traditionelle Frontalunterricht beispielsweise häufig so anstrengend und wenig effektiv.

Wie Du Dein Kurzzeitgedächtnis und Dein Langzeitgedächtnis fürs Lernen besser nutzen kannst

1. Entspanne Dein Ultrakurzzeitgedächtnis

Je mehr Reize Dein sensorisches Register synchron verarbeiten muss, desto nachlässiger wird es. Je höher der kognitive Aufwand ist, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass Register und Kurzzeitgedächtnis sinnvoll zusammenarbeiten.

Beim Autofahren beispielsweise arbeitet Dein sensorisches Register auf Hochtouren. Es ermöglicht Dir schnelle Reaktionen, bei Verkehrszeichen und Bremslichtern. Nach der Autofahrt, wirst Du Dich bei unbekannter Strecke jedoch kaum an eines der Schilder oder bremsenden Autos erinnern.

Deshalb funktioniert Jicki beim Sprachenlernen auch so gut: es reduziert den Input und entlastet so das Ultrakurzzeitgedächtnis. Die klassische bzw. entspannende Musik trägt zur Entspannung bei, da sie selbst wenig Reize liefert, gerade so viel, dass Dein sensorisches Gedächtnis in Gedanken abdriftet und beginnt Probleme zu wälzen.

2. Wiederhole immer und immer und immer wieder

Damit erhöhst Du für Deine Gedächtnisspeicher die Relevanz und ermöglichst so

das Speichern im Langzeitgedächtnis. Mit Wiederholungen machst Du es dem Kurzzeitgedächtnis leichter, Dinge aufzubereiten und richtig abzulegen. Zu Beginn sollte die Wiederholungen kürzere Abstände haben, damit Du die Kommunikation zwischen Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis stimulierst und gleichzeitig das Ranking des Lernstoff erhöhst

3. Sei begeistert. Juchu!

Der Idealfall ist, dass Dich begeistert, was Du im Gedächtnis möglichst lange speichern möchtest. Dies ist einer der Gründe, weshalb ich-lerne-schnell-noch-für-die-Klassenarbeit nicht wirklich nachhaltig ist.

Natürlich gibt es auch Lernstoffe, die man eher muss und nicht will, aber um diese Dinge trotzdem effektiv zu lernen, gaukel Dir Deine Begeisterung einfach selbst vor: Lächle so oft Du kannst (und stimuliere damit Dein Gehirn), tu einfach so, als wäre die bevorstehende Lernsession, das beste, was Dir jetzt passieren konnte: Du wirst sehen, wie gut Dein Lernen von der Hand gehen wird.

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Helge Straube
Helge Straube

Seit Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema, wie Lernen wirklich funktioniert und denke dabei oftmals um zwei Ecken. Diese Erfahrungen und „Ecken“ möchte ich weitergeben.

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