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Wie lernt man überhaupt eine Sprache? Das sagt die Spracherwerbsforschung!

Spracherwerbsforschung und Muttersprache

Woher kommt die Vorstellung, dass man Muttersprache mit dem höchsten Niveau der Sprachausbildung gleichsetzt?

In der Spracherwerbsforschung weiß man heute, dass Säuglinge bereits im Mutterleib die Muttersprache erlernen. Zum einen unterscheidet sich bereits die Prosodie des Schreiens von beispielsweise russischen und deutschen Neugeborenen, zum anderen reagieren diese Kinder direkt nach der Geburt auf Erzählungen in der Muttersprache anders als auf Erzählungen, die in anderen Sprachen erzählt werden.

Es wurde außerdem in einer Saugreflexstudie gezeigt (Dittmann 2010), dass die Säuglinge nicht nur auf die Stimme der Mutter reagierten, sondern auch auf andere Sprecherinnen und Sprecher, die in der Sprache der Mutter mit den Kindern sprachen. Hier war auch zu beobachten, dass dieser Effekt bei bereits gehörten Erzählungen stärker ausfiel.

Du kannst also sicher sein: Du hast bereits vor Deiner Geburt begonnen Deine Muttersprache zu lernen, ohne dass Du auch nur ein Wort gesprochen hast. Sie wurde Dir mit in die Wiege gelegt und Du kannst sie vollkommen intuitiv nutzen, beherrscht ihre Prosodie und ihre Struktur.
Vermutlich hattest Du danach nie wieder die Möglichkeit eine Sprache auf diese Weise erlernen zu können. Jicki möchte Dir genau das ermöglichen.

Erst- und Zweitsprache in der Sprachwissenschaft

Warum unterscheiden wir In der Sprachwissenschaft eigentlich zwischen der Erstsprache und der Zweitsprache?

Obwohl damit lediglich die zeitliche Ebene des Erlernens gemeint ist, also die Sprache, die man zuerst erlernt und eben die Sprache, die man als zweites erlernt u.s.w., wird in dieser Unterscheidung häufig auch eine Wertung verstanden. Die Erstsprache wird meist als fundierter wahrgenommen: man beherrsche sie fließend und sie sei sowieso die emotionale Sprache.

Dabei sagt der Zeitpunkt des Spracherwerbs nichts über die Sprachkompetenz in der jeweiligen Sprache aus. In bilingualen Familien beispielsweise, in denen strikt nach une personne – une langue (eine Persone – eine Sprache) vorgegangen wird, werden zwei Sprachen in ähnlicher Qualität erworben (Kielhöfer/Jonekeit 1987). Ist das Kind ab dem Kindergarten- oder dem Schulkindalter mit einer Umgebungssprache (Zweitsprache) konfrontiert, die sich von den beiden Elternsprachen unterscheidet, wird auch diese gleichwertig erworben und kann sich sogar als dominantere herausstellen.
Was bedeutet das nun für Dich?
Ganz einfach: die Vorstellung, dass Du eine Fremdsprache niemals so gut sprechen kannst, wie Muttersprachler, ist schlichtweg falsch.

Gesteuert vs. ungesteuert

Wie lernt man aber eigentlich Sprachen?

In der Spracherwerbsforschung lassen sich vereinfacht zwei Szenarien unterschieden: der gesteuerte und der ungesteuerte Spracherwerb.

Ein Paradebeispiel für gesteuerten Spracherwerb ist das Erlernen einer Sprache in der Schule oder an der Uni. Dort wird die Sprache durch eine Lehrperson vermittelt und es wird Dir ein Zugang zur Sprache vor allem über das grammatische System und der Erwerb der Sprachkompetenz letztlich durch Konditionierung ermöglicht: die Lehrenden zeigen Dir Deine Leistung anhand von Noten, damit er messbar wird. So entsteht bei Dir aber der Druck: für den Vokabeltest lernst Du nicht mehr der Sprache wegen, sondern, um eine gute Leistung abzuliefern. Auch in Lerngruppen herrscht meist dieser Druck: man will sich vor den anderen nicht blamieren.

Ungesteuerter Spracherwerb begegnet uns im Alltag vor allem politisch motiviert. Im Hinblick auf Migration und Integration gilt dieser als ungünstig, da Sprache nicht durch eine Vermittlungsperson, sondern selbstständig erworben wird. Dabei wird vor allem bemängelt, dass zwar ein enormer Wortschatz erworben werde, aber die Kenntnisse der grammatischen Strukturen fehlten. Institutionen kritisieren häufig außerdem den sogenannten Sprachkontakt: hier werden u.a. Grammatik und Wortschatz der Erst- und ungesteuerten Zweitsprache einfach vermischt (so entstehen übrigens Kreolsprachen).

Dabei ist der ungesteuerte Spracherwerb der natürliche Weg, um eine Sprache zu lernen.
Wie glaubst Du hast Du Deine Muttersprache erlernt? Sicher konntest Du Dich schon recht gut verständigen, bevor Dir jemand den Unterschied von Haupt- und Nebensatz oder Dativ und Akkusativ erklärt hat. Also ungesteuert?

Nicht ganz. Deine Bezugspersonen haben Dir dabei geholfen, Deine Sprachkompetenz zu entwickeln, aber eventuell anders, als Du es Dir vorstellst. Vielleicht glaubst Du, Du hast versucht das nachzusprechen, was Du in Deiner Umgebung aufgeschnappt hast und vielleicht hat Dich jemand korrigiert, wenn Du mal ein Wort falsch ausgesprochen hast. Manchmal war es so. Ganz bestimmt. Die meisten Zeit wurde aber vermutlich mit Dir in einer kindgerichteten, stützenden Sprache gesprochen, die wir in der Linguistik Motherese bzw. “Ammensprache” nennen (Dittmann 2010).

Viele Eltern sind sich nicht bewusst, dass sie mit ihren Kindern auf diese Art sprechen: nicht nur der Wortschatz und die grammatische Struktur werden dabei angepasst, auch die Prosodie. Wenn es also nur im bloße Nachahmung ging, müsstest Du heute in etwa reden wie die Teletubbies. Nach neuester Erkenntnis ist diese Ammensprache aber entscheidend für Deine ersten Lernerfolge in Deiner Muttersprache. Dabei werden Wortschatz und Grammatik erworben, ohne dass Du bewusst darauf wert gelegt hast. Als Kind war es Dir wichtig einfach zu kommunizieren, mit Deinen ersten Lauten ein Lächeln in die Gesichter Deiner Eltern zu zaubern. Sprache war für Dich mehr ein Gefühl, als ein reines strukturiertes Medium aus Konjugationstabellen und Interrogativpronomina.

Was ist nun besser für Dich: gesteuert oder ungesteuert?
Es kommt auf den Grad der Steuerung an. Jicki bietet Dir genau das: Du lernst über das Sprachgefühl und den Wunsch nach Kommunikation die Grammatik und den Wortschatz passiv dazu, dabei wird Dir genug Hilfestellung gegeben, dass Du eigenständig die Sprache erwerben kannst ohne Dich zu verlaufen.

Aktiv vs. Passiv

Musstest Du beim letzten Satz kurz stocken, weil dort steht, dass Du Grammatik und Wortschatz passiv lernen kannst?
In der Schule lernen wir doch nach Methodik und Didaktik meist Vokabeln und Grammatikregeln, damit man Texte erschließen und im besten Fall intensive Dialoge mit den Ausstauschschülerinnen und -schülern führen kann.

Das Problem dabei ist jedoch: es sollte andersherum sein. Deine Konversationsfähigkeit ist eigentlich die Grundlage für alles andere; sie ist der Schlüssel zum Wortschatz und zur Grammatik.

Jicki geht genau diesen Weg mit Dir: zuerst wird Dir das Sprachgefühl vermittelt, damit Du einen Zugang zur Sprache erhältst und Verstehen und Sprechen Dir leichter fallen wird. Wie von selbst baust Du dabei Deinen Wortschatz, die prosodische und auch die grammatische Struktur auf. Erst dann kommt nach und nach der aktive Erwerb als Aktivierung hinzu, der dann am Ende in der Vertiefung und dem Verständnis von der Grammatik und dem Erwerb der Schriftsprache mündet.

Es wird Dich überraschen, wie leicht und nachhaltig Du ein Verständnis für die Grammatik Deiner Wunschsprache entwickeln kannst, wenn Du bereits eine Konversationsfähigkeit in dieser Sprache ausgebildet hast.

Auditiv – die Königsdisziplin der Lernstile?

Vielleicht hast Du Dich auch schon mal gefragt, welcher Lerntyp Du bist. Ich höre immer wieder Menschen sagen, dass sie ohnehin nur visuell lernen könnten oder ausschließlich auditiv.
Die didaktische Theorie der unterschiedlichen Lerntypen (visuell, haptisch, auditiv, kognitiv) stammt von Frederik Vester und gilt in der heutigen Forschung weitestgehend als überholt bzw. widerlegt.
Viel mehr spricht man heute von Lernstilen, die allesamt mit jedem Lernenden kompatibel sind.

“Ich kann es aber besser behalten, wenn ich es mir aufschreibe und lese” – denkst Du jetzt. Das mag sogar stimmen. Es gibt Präferenzen bei den Lernstilen, die vor allem darauf beruhen, dass man diese – vor allem durch die eigene Schulzeit – eingeübt hat und so geprägt wurde. Die Lernstile sind viel mehr Lernstofforientiert und nicht Lernerorientiert, das bedeutet, dass sie situativ in ihrer Qualität unterscheiden, aber keinesfalls einen Persönlichkeitstypus bilden. So lässt sich die Farbwahrnehmung sicher effizienter optisch-visuell schulen und weniger auditiv. Wobei es sicher auch interessant wäre blau zu hören oder blau zu fühlen.

Wie ist es nun bei Sprache? Ich habe Dir bereits gezeigt, dass wir im Mutterleib durch die Beschallung Grundzüge der Muttersprache erlernen. Visuell hast Du zwischen erster und vierzigster Schwangerschaftswoche sicher noch nicht so viel wahrgenommen. Damit ist der auditive Lernstil der erste, den ein Mensch intuitiv für sich nutzt (und der möglicherweise die Ausbildung anderer Lern- und Denkstile fördert).
Daher sind alle Sprachlernangebote, die Dich mit visuell ansprechenden Bildchen locken sicher ganz nett, niemals aber so natürlich und effizient, wie das Lernen einer Sprache durch Hören.

Spracherwerbsforschung und Lernen mit Musik

Aus der Theorie der Lernstile lässt außerdem noch etwas ableiten, nämlich die Frage: lernt man mit Musik besser?
Nach einer aktuellen Studie, die vom Musikstreamingdienstleister Spotify in Auftrag gegeben wurde, wurde genau dies bestätigt. Dabei wurde vor allem untersucht, ob das Tempo eines Songs die kognitive Resonanz beeinflusst. So soll Musik zwischen 50-80 BPM (beats per minute) die linke (logischdenkende) Hirnhälfte stimulieren, schnelle dagegen die rechte (kreative).

Bereits 1993 wurde an der University of California eine Forschungsarbeit publiziert, die den sogenannten Mozart-Effekt thematisierte. Demnach solle die kognitive Leistung durch das Hören von klassischer Musik, insbesondere von Mozart salient verbessern.
Die neueste Lernforschung bestätigt ein effizienteres Lernen durch Musik, sieht aber nicht im Tempo oder Takt die Ursache. Viel mehr werde durch Musik die Vernetzung im Hirn und damit die Verknüpfung der beiden Hirnhälften angeregt, dabei sei nur ausschlaggebend, dass die Musik beim Lernenden ein Wohlgefühl und eine Entspannung auslöst.

Es muss also nicht zwingend klassische Musik sein. Wichtig ist jedoch, dass bei den ausgewählten Songs die Melodie dominiert und der Text im Hintergrund steht, da es sonst zu Interferenzen mit dem Lernstoff kommt. Falls Dir also instrumentale Stücke nicht so liegen, solltest Du die Musik möglichst so leise stellen, dass Du sie zwar wahrnimmst, der Songtext aber keinesfalls im Fokus Deiner auditiven Wahrnehmung liegt.

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Helge Straube
Helge Straube

Seit Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema, wie Lernen wirklich funktioniert und denke dabei oftmals um zwei Ecken. Diese Erfahrungen und „Ecken“ möchte ich weitergeben.

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