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Warum mir Sprache auf der Reise so wichtig war

Abi und Reise passt halt einfach gut zusammen

In letzter Zeit fällt mir immer mehr auf, dass man erst nach dem Abi sieht, wer die Mitschüler überhaupt wirklich sind. Manche helfen in Afrika oder Indien armen Kindern, manche machen erstmal ein Jahr gar nichts, manche beginnen sofort zu studieren und haben schon ihre komplette Karriereplanung im Kopf. Bei mir war es nichts davon.

Schon vor etwa einem Jahr hatten eine gute Freundin und ich mal abends die Schnapsidee nach dem Abi zu verreisen, und zwar nicht nach Frankreich oder Spanien, sondern ganz klischeehaft und abenteuerlich nach dem Abi nach Australien und Neuseeland. Daran angeschlossen kam für meinen Freund und mich Vietnam, aber dazu später.

Englisch war mir in der Schule schon immer leichter gefallen als Französisch oder Latein, wahrscheinlich einfach weil ich den Eindruck hatte, dass ich Englisch wirklich mal gebrauchen kann. Und vielleicht weil mich England, Australien, Neuseeland usw. schon irgendwie mehr reizte als unsere netten französischen Nachbarn.

Aus der Schnapsidee wurde Planung und aus der Planung Realität und mit 2 Monaten Zeit und unseren 12kg Rucksäcken standen wir dann Mitte Juli am Frankfurter Flughafen. Dort konnten wir unser mühsam gelerntes Schulenglisch dann auch direkt nutzen, denn mit meinem Visum gab es ein “technisches Problem”, das von einem fröhlichen Inder für uns gelöst wurde. So konnte es weitergehen und wir kamen eineinhalb Tage später übermüdet in Sydney an. Dort gab es gleich das nächste Problem, denn wir hatten im Voraus ein Zimmer gebucht, doch konnten den Vermieter nicht erreichen (da brachte uns auch das schönste Englisch nichts), was uns aber letztlich zur wohl besten Entscheidung unserer ganzen Reise verhalf, denn hier begann unser Hostelleben.

Hostels und Backpacker

Das Leben im Hostel ist merkwürdig. Wir haben uns während der Reise extrem gefreut als es endlich vorbei war (Juhu, endlich alleine duschen und keine wackelnden und quietschenden Hochbetten mehr), aber gleichzeitig hab ich noch nie so viele Erfahrungen gesammelt und Menschen getroffen wie dort. Über einen sog. Traveldesk haben wir auch den Rest unserer Reise gebucht und dadurch auch noch echt viel Geld gespart, einfach nur weil wir uns mit anderen ausgetauscht haben. Ich glaube, nirgendwo gibt es so viele junge, gut gelaunte und entspannte Leute aus so vielen unterschiedlichen Ländern auf einem Fleck.

Wenn ich mir nur mal überlege, mit wem wir alles zusammen gelebt haben, waren da mehrere Amerikanerinnen, Niederländer, Schweizer, Inder, überraschend viele Deutsche, Italiener, Kanadier, Engländerinnen, ein Südafrikaner usw. und mit allen konnte man sich auf Englisch unterhalten. Noch nie habe ich so viele unterschiedliche Akzente in einer Sprache gehört und auch das unglaublich lässig-dahergenuschelte australische Englisch hat mir anfangs manchmal ein “hä?” entlockt, aber verstanden haben wir irgendwie trotzdem immer alles.

Warum mir Englisch sprechen Spaß gemacht hat…

Ich habe zwar nie die auswendig gelernten Vokabeln über Gentechnik, Waffenrechte oder politische Systeme gebraucht, wenn ich mich mit den Leuten im Hostel unterhalten hab, aber ich war so froh, mich auf Englisch einfach mit jedem unterhalten zu können. Als ich früher im Urlaub war, war es egal ob ich eine Sprache konnte oder nicht, meine Eltern haben das schon geregelt. Erst wenn man allein unterwegs ist und es auch mal Herausforderungen gibt (wenn z.B. plötzlich der Geldbeutel weg ist) merkt man, wie wichtig Sprache eigentlich ist und wie toll es ist, mit allen um Dich herum eine Sprache zu teilen.

In diesem Fall war es Englisch und ich kann jedem raten, mehr Sprachen zu lernen und diese auch wirklich zu nutzen und einfach mit allen Leuten zu reden. Keiner erwartet, die perfekte Grammatik zu können (zugegebenermaßen ist die im Englischen nicht wahnsinnig kompliziert) oder Euch besonders elegant ausdrücken zu können, es geht einfach nur darum ein Gefühl für die Sprache zu bekommen und Eindrücke, Meinungen und Erfahrungen teilen zu können, es lohnt sich wirklich!

…und Vietnamesisch nicht

In Vietnam hab ich das Gegenteil bemerkt, ich hab davor wirklich versucht ein paar Wörter zu lernen aber ich wurde viel zu schnell von 100 Akzentzeichen und falscher Betonung demotiviert. Man muss aber dazu sagen, dass es Buchstaben mit 3 Akzenten gibt und man eine Person nicht nur duzt oder siezt sondern zunächst mal überlegen muss wie alt die Mutter des Gegenübers ist und ob er, auch wenn er gleich alt ist, vielleicht trotzdem höher gestellt ist. Hinzu kommt, dass man, wenn man ausversehen falsch betont, eine andere Person die man eigentlich nur hübsch findet, versehentlich als Glas oder Fisch bezeichnet…oder so ähnlich.

Auf jeden Fall durfte so mein Freund Dolmetscher spielen und ich hab mich mit Händen und Füßen durchgeschlagen. Dank ihm hat das funktioniert, ohne ihn wäre ich wohl aufgeschmissen gewesen. Es ging zwar so, aber ich bin sicher, dass ich mehr Sympathie und auch mehr Kulturelles hätte mitnehmen können, wenn ich die Sprache gekonnt hätte. Nichtsdestotrotz habe ich Vietnam wirklich unglaublich gemocht, aber das Gruppengefühl oder das “Einfach-drauf-losreden”, wie ich es in Australien und Neuseeland mitbekommen hatte, war eben weg.

Wie Ihr Euch vielleicht denken könnt, kommt hier Jicki ins Spiel. Hätte es eine Vietnamesisch Sprachdusche gegeben, hätte ich sie bestimmt genutzt, denn genau darum geht es: sich nicht von Grammatik demotivieren zu lassen, sondern ein Sprachgefühl zu bekommen ohne die Lust dank Vokabelpauken und Grammatikregeln zu verlieren. Das Gefühl, sich im Ausland einfach und ohne Hemmung oder Angst etwas falsch zu machen unterhalten zu können, ist es einfach sowas von Wert sich ein bisschen Zeit für die Sprache zu nehmen. Und damit meine ich keine Vokabelkästen oder -bücher, keine Grammatik-Zusatzhefte zum Schulbuch oder keine ständige kleine Angst, vom Lehrer aufgerufen zu werden. Damit meine ich einfach Dich und Deinen Kopfhörer und die Jicki Website, klingt einfach, ist es auch, olrody? (=alrighty – australisches “klar?”).

Liebe Grüße,
Nicola

Grüni Jicki
Gast AutorIn

Für Jicki schreiben immer wieder GastautorInnen tolle Artikel!

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